Feel Good Management und Hochsensibilität in der Arbeitswelt 1


Hochsensibilität in der Arbeitswelt –  wie kann Feel Good Management hochsensible Menschen im Job unterstützen?

Das Thema Hochsensibilität erfreut sich seit vielen Jahren großer Popularität. Hochsensibilität ist für die Gesellschaft sehr nützlich. Woran erkennen wir hochsensible Menschen, wie kann das Feel Good Management hochsensible Menschen im Job unterstützen, und was ist deren Mehrwert in der Arbeitswelt?

Was ist Hochsensibilität?

Bis heute existiert keine eindeutige, anerkannte neurowissenschaftliche Definition des Phänomens. Der Begriff wurde von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron Ende der 90er Jahre mit ihrem Standardwerk „Highly Sensitive Person“ nach Deutschland gebracht und in viele Sprachen übertragen. Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das durch differenzierte und intensive Reizwahrnehmung gekennzeichnet ist. Betroffene haben aufgrund ihrer neurologischen Prädisposition eine besondere Ausprägung der fünf körperlichen Sinne.

Hochsensibilität und Arbeitswelt

Für viele Hochsensible kann das Thema Arbeit und Beruf sehr problematisch sein. Hochsensibilität wird in der heutigen Arbeitswelt immer noch mit einem Makel behaftet. Hochsensible können aufgrund ihrer Veranlagung viel schneller als andere in einen Zustand der Reizüberflutung kommen, mit den entsprechenden Symptomen der Überlastung wie Nervosität und Konzentrationsproblemen und damit als ‚schwierige Arbeitnehmer‘ gesehen werden.

Ständiger Zeitdruck, starke Kontrolle von Vorgesetzten oder Kollegen und ein Wertesystem, das den Hochsensiblen nicht entspricht, all das kann sich für Hochsensible als schwierig erweisen.  Sie halten sich oft außerhalb von sozialen Zusammenkünften auf, auch deshalb, um sich in den Pausen zu regenerieren, wodurch allerdings die Gefahr einer Ausgrenzung entsteht. Auch die Rahmenbedingungen können sich für Hochsensible als Problem erweisen: Die ständige Beleuchtung und Geräuschkulisse, Telefone, zu wenig Privatsphäre, penetrante Gerüche oder eine unangenehme Raumatmosphäre machen Hochsensiblen meist mehr zu schaffen als anderen.

Wie kann der Hochsensible das Spannungsfeld Hochsensibilität und moderne Arbeitswelt entschärfen?

  1. Sich in die bestehenden beruflichen Strukturen einzufügen, was sich in unserer Unternehmenskultur für Hochsensible als selten möglich erweist.
  2. Aus dem unpassenden beruflichen Umfeld ausbrechen und Betätigungsfelder suchen, die den Begabungen entsprechen.

Sind wesentliche Veränderungen in der Arbeitsumgebung nicht möglich, sollte gut überlegt werden, ob das bestehende Arbeitsverhältnis nicht beendet werden sollte. Auch die Passung zwischen dem gewählten Berufsfeld und der eigenen Persönlichkeit sollte hinterfragt werden. Es gibt einige berufliche Tätigkeitsfelder, die den Stärken und Talenten Hochsensibler sehr gut entsprechen: Kreativbereiche, Erziehung und Beratung, Spiritualität und Esoterik, Bibliothekswesen, Lektorat, etc. Auch sei auf eine berufliche Selbstständigkeit bei Hochsensiblen hingewiesen – hier können schließlich Strukturen und Werte selbst geschaffen werden.

Zum Glück gibt es aber auch Arbeitgeber, die Feel Good Management leben!

Wie kann das Feel Good Management hochsensible Menschen im Job unterstützen?

Ein positives Umfeld tut Hochsensiblen ungleich besser als nicht-Hochsensiblen. Umgekehrt schadet ein negatives Umfeld Hochsensiblen viel mehr als anderen. Genau deshalb sind Arbeitgeber, die Feel Good Management leben, besonders attraktive Arbeitgeber für hochsensible Menschen. Das Feel Good Management erweist sich allein durch seine Eigenschaften als das Arbeitsumfeld für Hochsensible:

  • klein gehaltene Hierarchiestrukturen
  • starke Feedback-Kultur
  • nach Möglichkeit freie Wahl der Arbeitsplätze innerhalb der Firma
  • Soft-Factors wie Work/Life-Harmonisierung und Selbstverwirklichung
  • wertschätzende und respektvolle Kommunikation
  • maßvolle Überstunden mit entsprechendem Ausgleich
  • eine gute Arbeitsatmosphäre
  • Workshops zur Burn-Out-Prävention

Wodurch kann der Feel Good Manager Hochsensible im Job fördern?

  • Ungünstige Rahmenbedingungen korrigieren güt eine bessere Arbeit: Reduzierung der Stimulation durch Geräusche, regelmäßige Pausen, keine Mehrarbeit, etc.
  • Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten regulieren: sich nicht ganz der Kommunikation entziehen, sich gelegentlich in Unterhaltungen einbringen.
  • Verbündete suchen!
  • Eigene Leistungen visualisieren für mehr Transparenz für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
  • Problematische Arbeitsbedingungen ansprechen.
  • Einsatz von Techniken des Stressabbaus bei akutem Stress: Autogenes Training, EFT, etc.
  • Formen der Abgrenzung ohne Ausgrenzung lernen: Zeitlimits setzen, Nein sagen, etc.

Hochsensible müssen für sich immer wieder überprüfen, ob die bestehenden Lebens- und Arbeitsbedingungen noch passend für sie sind. Durch das Feel Good Management kann ein individueller Weg zwischen Anpassung und Abgrenzung gefunden werden. So sind Potentialentfaltung und Leistungssteigerung möglich und damit ein ein wesentlicher Beitrag für den Unternehmenserfolg.

Welchen Mehrwert bringen Hochsensible in der Arbeitswelt?

Hochsensible haben mit ihrem Persönlichkeitsmerkmal eine Überlebensstrategie der Natur: Sie sehen Dinge, die andere nicht gleich erkennen und eignen sich daher, neue Geschäftsfelder und Trends zu erspüren. Unternehmen, die innovativ sein wollen, brauchen hochsensible Menschen. Nicht selten sind Feel Good Manager hochsensibel. Ihre Empathie, ihre Fähigkeit zur Voraussicht und zum Erspüren von Bedürfnissen anderer sowie ihr vernetztes Denken macht sie zu sehr guten Feel Good Managern – aber auch zu guten Führungskräften. Stellt euch eine Welt vor mit empathischen und wertschätzenden Führungskräften.

Mein Plädoyer: Mehr Hochsensible in Führungspositionen – für eine bessere (Arbeits-) Welt!

Alma Drekovic


Ein Gedanke zu “Feel Good Management und Hochsensibilität in der Arbeitswelt

  • H. May

    Sehr einfühlsam beschrieben und toll aufbereitet liebe Frau Drekovic. Ein „Feel Good Manager“ kann die Potentiale Hochsensible zur vollen Entfaltung bringen. Für alle Hochsensiblen, die darüber nachdenken sich selbstständig zu machen oder bereits selbstständig sind, empfehle ich außerdem das Buch „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“ https://www.amazon.de/dp/3981797566 – ein humorvolles Buch einer engagierten Hochsensiblen, die sich damit ihren Lebenstraum verwirklicht hat.

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